Franz Sales Haus · Jahresbericht 2020

Bildung

;Förderschule
;Berufskolleg
;Fort- und Weiterbildung

Gesichter mit Masken, lernen und lehren unter besonderen Bedingungen – dieses Jahr hat Kinder, Jugendliche, Auszubildende und Lehrkräfte intensiv gefordert.

Neues lernen

Bildung gilt als das Sprungbrett zu einem „guten Leben“, als wichtige Voraussetzung für gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe. Wie wertvoll die Fähigkeit ist, zu lernen und neue Kompetenzen zu entwickeln, hat sich auch bei den Bildungsangeboten im Franz Sales Haus im vergangenen Jahr besonders deutlich gezeigt.

Franz Sales Förderschule

Die Jungen und Mädchen an der Franz Sales Förderschule lernen mit ganzheitlichen Angeboten und auf differenzierten Lernwegen vielfältige Kompetenzen für ein selbstständiges Leben. In diesem Jahr hat sich gerade im Bereich der Medienkompetenz bedingt durch die Pandemie viel bewegt – und gleichzeitig war in dieser Ausnahmesituation der persönliche Kontakt zu Schülerinnen, Schülern, Eltern und Wohngruppen immens wichtig für ein gelingendes Schulleben.

Corona hat den Schulalltag nachhaltig verändert. Hygieneregeln, Abstand und Maskentragen wurden selbstverständlich – und von den Schülerinnen und Schülern aller Altersstufen sehr souverän und sicher umgesetzt. Für einen bestmöglichen Infektionsschutz wurden unter anderem Empfangs- und Abholzeiten gestaffelt und die Schulgemeinschaft in Kohorten organisiert, um durch diese festen Gruppen das Ansteckungsrisiko zu minimieren. Da auch der Schulsozialarbeiter einer Kohorte zugeteilt werden musste, wurde die Schulsozialarbeit umstrukturiert, um neue und bewährte Angebote aufrechtzuerhalten. Im Lockdown sorgte eine Betreuung in 1:1-Situationen dafür, emotionale Schwierigkeiten zu überwinden und mit positiven Erlebnissen die Lebensqualität zu stärken.

In festen Kleingruppen fand beispielsweise auch der leistungsdifferenzierte Sportunterricht der Oberstufen im Trendsport Parcours statt. Hierbei überwanden die Schüler verschiedene Hindernisse – auf ihrem jeweiligen Leistungsniveau und jeder nach seiner Art. Das attraktive Angebot und die selbstbestimmte Ausführung haben nicht nur die Beweglichkeit, sondern auch die Kreativität und Motivation der Jugendlichen effektiv gefördert.

Die AGs der Berufspraxisstufe passten ihre Programme den aktuellen Bedarfen an: Die AG Stoff nähte Masken – auch für die kleineren Kinder der Unterstufe – und die AG Holz fertigte Trennwände aus Plexiglas. 

Digital lernen mit Spaß

Lernsoftware und Tablets als Kommunikationshilfe haben sich längst in der Förderschule etabliert. Durch die Pandemie haben diese Lernmöglichkeiten stark an Bedeutung gewonnen, da sie den Unterricht auf Distanz ermöglicht haben. Mit den Tablets arbeiten die Schüler hochmotiviert und freuen sich über Erfolge, die mit Punkten oder lustigen Sounds bestätigt werden. Arbeitsblätter hingegen können viele Kinder aufgrund ihrer Behinderung nicht bearbeiten. Mit den einfach bedienbaren digitalen Angeboten kommen auch schwächere Schülerinnen und Schüler gut zurecht und haben entsprechende Erfolgserlebnisse. Deshalb sind digitale Lernmedien auch langfristig und auch als Teil des Präsenzunterrichts eine sinnvolle Bereicherung.

Zahlen und Fakten zur Förderschule

  • 105  Schülerinnen und Schüler
  • 27 Lehrkräfte
  • 1 Schulsozialarbeiter
  • 2 Lehramtsanwärter
  • 10 FSJler

So konnten die Jugendlichen mit ihren handwerklichen Fähigkeiten ganz konkret einen praktischen Beitrag zum Infektionsschutz in der Schule leisten. Die Medien AG sorgte mit Info- und Wahlwerbevideos dafür, dass auch die Schulsprecherwahl coronagerecht gestaltet werden konnte.

Die Zeit des Präsenzunterrichts nach der ersten Schulschließung hat das Kollegium genutzt, um die Schüler im Umgang mit den Medien für das Distanzlernen fit zu machen – was sich während der zweiten, deutlich längeren Schulschließung im Winter sehr gut bewährt hat. Die Lehrkräfte übten mit den Kindern und Jugendlichen intensiv die Nutzung von Geräten, Programmen und der Lernapp „Anton“ ein. So waren die Schülerinnen bestens vorbereitet und konnten diese Lernmöglichkeiten selbstständig nutzen. Auch beim Distanzlernen konnten die Lehrkräfte den Schülern ein direktes Feedback geben und differenzierte Lerninhalte vermitteln. Per Videoübertragung fanden Angebote wie Gottesdienste, Vorlesestunden und das Adventssingen statt. So gelang es, trotz aller Distanz Gemeinschaftserlebnisse zu ermöglichen.

Das Mercator-Projekt „Varieté Inklusiv“, an dem die Förderschule von Beginn an beteiligt ist, passte seine Arbeit ebenfalls auf die Bedingungen der Pandemie an. Im Oktober 2020 konnte das Projektteam gemeinsam mit einem Lehrer und zwei Schülern der Förderschule „Varieté Inklusiv“ bei einem digitalen Forum der Stiftung Mercator als besonders gelungenes Beispiel der kulturellen Bildungsarbeit präsentieren.

„Wir haben gute Antworten auf die Herausforderungen der Pandemie gefunden. Dennoch gibt es keinen Ersatz für den direkten Kontakt zu Schülerinnen und Schülern, der gerade für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung unverzichtbar ist. Corona hat lange bekannte Defizite im Schulwesen – wie Personalmangel und Chancenungleichheit je nach sozialem Hintergrund – offenbart. Hier sehen wir einen großen Reformationsbedarf!“

Michael Dönhoff, Schulleiter Franz Sales Förderschule

Franz Sales Berufskolleg

Die Ausbildung der angehenden Fachkräfte der Behindertenhilfe an unserem Berufskolleg hat in der Pandemie ebenfalls einen weiteren Digitalisierungsschub erhalten. Bereits zuvor standen hier unter anderem interaktive Whiteboards und eine digitale Lernplattform zum Teilen von Unterrichtsinhalten zur Verfügung. Neue Tablets für Lehrkräfte und Auszubildende kamen in diesem Schuljahr dazu und das Kollegium sorgte mit intensiven Fortbildungstagen dafür, dass die zusätzlichen Ressourcen schnell eingesetzt werden konnten.

Auf dieser Basis konnte das Berufskolleg die Herausforderungen durch Corona gut meistern. Die Auszubildenden in Heilerziehung und Sozialassistenz sowie die angehenden Fachkräfte zur Arbeits- und Berufsförderung konnten sich jederzeit auf eine sehr gute schulische Infrastruktur vor Ort und auf ein sich stetig verbesserndes digitales Bildungsangebot verlassen. Diese Verlässlichkeit in einer Zeit, in der alle Beteiligten häufig flexibel auf neue Situationen reagieren mussten, hat den Lernenden die nötige Sicherheit gegeben. So konnten im Sommer alle Auszubildenden in den Abschlussklassen ihre Ausbildung erfolgreich beenden. 

Kurz vor Weihnachten erfolgte der Übergang in die lange Phase des Distanzlernens, auf die alle Beteiligten gut vorbereitet waren. Über ein Videokonferenzsystem war der stetige Austausch gewährleistet und die besondere Art des Lehrens und Lernens kam der Teamfähigkeit aller Beteiligten zugute. Bemerkenswert ist die große Geschlossenheit, mit der Lehrkräfte und Auszubildende diese besonderen Herausforderungen engagiert bewältigt haben. Insofern haben die Erfahrungen mit dem digitalen Lernen die Schulgemeinschaft bereichert und für die künftige Gestaltung der Ausbildung inspirierende Impulse gegeben.

Auch in Zukunft wird das Berufskolleg vielseitige, analoge und digitale Lernkonzepte zur Vermittlung der jeweiligen Bildungsinhalte im Unterricht einsetzen. Der so wichtige und große praktische Anteil der Ausbildung bleibt weiterhin ein zentraler Bestandteil des Lernens für die Berufe, deren Mittelpunkt der direkte Umgang mit Menschen ist. Die praxisintegrierte Ausbildung, in der das erworbene Wissen unmittelbar angewendet werden kann, bereichert das Leben der Menschen mit Behinderung und gibt den Lernenden genau die Handlungssicherheit, die sie für ihr Berufsleben brauchen.

Über lange Zeit musste der Unterricht digital stattfinden.

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Lehrkräfte bilden 158 angehende Heilerziehungs­pfleger und 37 künftige Sozial­assistenten aus. 65 Lernende erwerben zugleich auch die Qualifizierung als Fachkraft für Arbeits- und Berufsförderung (FAB).

Gerade die Kombination aus Praxis und zeitgemäßem Unterricht macht das Angebot unseres Berufskollegs für Auszubildende attraktiv. Neben dem Klassenunterricht sorgen Seminarstunden in Kleingruppen und Beratungsmöglichkeiten für eine umfassende Unterstützung der Lernenden. Hier starten junge Leute direkt nach der Schule in ihr Berufsleben, aber auch Quereinsteiger mit ganz unterschiedlichen Lebensläufen finden hier den Weg zu ihrem Wunsch-Beruf. Auch Menschen, die selbst eine Einschränkung haben, machen am Berufskolleg dank eines entsprechenden Nachteilsausgleiches ihre reguläre Ausbildung. Angesichts des allgemeinen Fachkräftemangels in sozialen und pflegerischen Berufen ist die Gewinnung von Nachwuchskräften eine wichtige Aufgabe. Deshalb wird das Berufskolleg die Außendarstellung seines vielfältigen Profils verstärken, um die Nachwuchsgewinnung in unserer Region aktiv voranzutreiben.

„Die einschränkenden Bedingungen für den Schulbetrieb in 2020 haben wir dank entsprechender Ausstattung und mit einem engagierten Team gut bewältigen können. Wir freuen uns, wenn wieder Präsenz­unterricht und Praxisbegleitung vor Ort möglich sind und blicken zuversichtlich in die Zukunft, für die wir eine Erweiterung des Berufskollegs planen. So wollen wir noch mehr junge Menschen für die Arbeit mit Menschen mit Behinderung motivieren und die Ausbildung qualifizierter Kräfte sichern.“

Ulrike Fembeck, Schulleiterin Franz Sales Berufskolleg

Fort- und Weiterbildung

Der Fortbildungsbereich der Franz Sales Akademie verzeichnete großes Interesse an seinem umfangreichen Angebot. ­Pandemiebedingt mussten viele Seminare verschoben werden, dabei zeigten sich Dozenten und Teilnehmende sehr flexibel. Die Zusatzqualifikation „Anleitende und beratende Pflegefachkraft in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe“ konnte in Teilen als Selbststudium mit ­Betreuung per Mail und Telefon stattfinden, sodass die Teilnehmenden nicht auf ihre Weiterbildung verzichten mussten und diese zum geplanten Termin erfolgreich abschließen konnten. Die Umsetzung von Fortbildungen für Menschen mit Behinderung soll 2021 beginnen. Dazu gehört die geplante Schulung zum qualifizierten Umgang mit digitalen Medien, die neben technischen Fertigkeiten vor allem Medienkompetenz und ein Bewusstsein für Chancen und Risiken der digitalen Angebote vermitteln soll. Grundlegend überarbeitet wurde die Fortbildung für Leitungskräfte im Verbund des Franz Sales Hauses (LeiF), die ab dem Sommer 2021 in einer Neuauflage angeboten wird. Unter anderem wird sich ein neues Modul mit dem Thema BTHG – Teilhabe, Selbstbestimmung und Personenzentrierung beschäftigen.

Fortbildung

Für die Fortbildung LeiF wurde eine Neuauflage entwickelt.

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