Franz Sales Haus · Jahresbericht 2020

Wer wir sind

Partner für ein gutes Leben

Auch in diesem besonderen Jahr 2020 ist der Kern unserer Arbeit unverändert geblieben: Unsere Aufgabe ist es, Menschen mit Behinderung bei ihren Vorstellungen von Lebensqualität zu unterstützen.

Wir helfen den Klienten dabei, die unterschiedlichen Bausteine des Lebens bestmöglich nach ihren Wünschen zu gestalten: Ein gemütliches Zuhause, der passende Arbeitsplatz, Hobbys und Freizeitmöglichkeiten – all das macht das individuelle Wohlbefinden aus, das im Begriff „Lebensqualität“ zusammengefasst ist. Mit unserem vielfältigen Angebot fördern wir so die Teilhabe von Menschen mit Behinderung, die immer auch Ausdruck der Persönlichkeit eines Menschen ist.

In diese Aufgabe greifen die Folgen der Corona-Pandemie nach wie vor massiv ein. Deshalb waren und sind alle Mitarbeitenden wie nie zuvor gefordert, die Teilhabe von Menschen mit Behinderung weiterhin zu ermöglichen – gerade weil viele Klienten besonders von Einschränkungen und Ängsten betroffen sind. Dabei gilt es die Balance zwischen Teilhabe und Gesundheitsschutz aufrecht zu erhalten und immer in Kontakt zu bleiben: mit den Menschen mit Behinderung und auch mit Angehörigen, denn nur mit gemeinsamen Anstrengungen sind die besonderen Herausforderungen zu bewältigen. Der Zusammenhalt und die gegenseitige Solidarität waren wertvolle Erfahrungen in 2020. Gleichzeitig wurde auch deutlich, dass die Menschen, die sich in sozialen Berufen um die Unterstützung ihrer Mitmenschen kümmern, mehr gesellschaftliche und politische Anerkennung brauchen. Diese forderte die Initiative „Mehr wert als ein Danke“ ein, der sich auch das Franz Sales Haus angeschlossen hat.

Die Krise meistern

Schnell und koordiniert zu handeln, war zu Beginn der Pandemie die zentrale Aufgabe angesichts der unerwarteten und schwierigen Situation. Dazu richtete das Franz Sales Haus einen Krisenstab ein, um ein ganzheitliches, unternehmensweites Krisenmanagement sicherzustellen. Die Umsetzung der jeweils aktuellen gesetzlichen Verordnungen und Vorgaben in den Unternehmen, die kontinuierliche Information der Mitarbeitenden über das Intranet, die Organisation von Besuchsregelungen, Test- und Impfangeboten, Möglichkeiten der Fördermittelbeantragung und viele weitere organisatorische Aufgaben beschäftigten den Krisenstab in seinen regelmäßigen Sitzungen. Die interne Vernetzung und enge Kontakte zu Lagezentrum und Gesundheitsamt der Stadt, Verbänden und Institutionen haben dazu beigetragen, in jeder Situation wirksame Lösungen zu finden.

Ein Hygiene-Team übernahm unter anderem den Aufbau von Testzentren im Franz Sales Haus und der Heimstatt Engelbert, die Unterstützung bei Quarantäne- und Infektionsfällen, die Abstimmung mit dem Gesundheitsamt und in Kooperation mit der Werkstatt die Versorgung der Bereiche mit der benötigten Schutzausrüstung. Über aktuelle Entwicklungen konnten sich Klienten, Beschäftigte und Angehörige auch auf der Webseite des Franz Sales Hauses informieren.

Der Zusammenhalt hat uns in 2020 besonders geholfen. Viele Mitarbeitende haben sich zum Beispiel daran beteiligt, in der ersten Phase der Pandemie unermüdlich Masken zu nähen.

Personalentwicklung

Auch in 2020 ist das Franz Sales Haus weiter gewachsen. Viele junge Kräfte sind dazugekommen, sodass sich die Belegschaft insgesamt deutlich verjüngt hat. Das ist besonders erfreulich, da sich die Akquise von Fachkräften zunehmend als schwierig erweist. Deshalb geht es zukünftig immer mehr darum, Menschen beispielsweise für den Beruf der Heilerziehungspflege (HEP) zu begeistern, der eine wesentliche Säule in der Begleitung von Menschen mit Behinderung ist.

Mit unserer Akademie tragen wir selbst dazu bei, die Fachkräfte von morgen auszubilden und gut qualifizierte Mitarbeitende für das Franz Sales Haus zu gewinnen. Um die Ausbildung und das Berufsbild der Heilerziehungspflege zu stärken, ist allerdings eine Überarbeitung und Vereinheitlichung der Lerninhalte auf Bundesebene notwendig.

Mitarbeitende insgesamt: 1809
(entspricht 1.232,43 Vollzeitstellen)
Altersverteilung
bis 29 Jahre
30–49 Jahre
ab 50 Jahre
584 (32,0%)
747 (41,3%)
478 (26,7%)
+5,0%
+1,8%
-6,8%

657 Mitarbeitende arbeiten in Vollzeit, 1.152 Mitarbeitende in Teilzeit.

Mitarbeitende nach Gesellschaften
Trägerverein
Franz Sales Wohnen
Heimstatt Engelbert
Franz Sales Werkstätten
Franz Sales Akademie
in time gGmbH
in service GmbH
DJK Franz Sales Haus
234
814
367
211
21
80
50
32

Bundesweite Initiative

Bessere Rahmenbedingungen für soziale Berufe fordert die Initiative „Mehr wert als ein Danke“ ein, zu der sich 2020 bundesweit mehr als 120 Stiftungen, Verbände, Einrichtungen und Dienste der Freien Wohlfahrtspflege zusammengeschlossen haben. Auch das Franz Sales Haus unterstützt die zentralen Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen, gerechtem Lohn und mehr Wertschätzung, die sich an Politik und Gesellschaft richten. Im November 2020 übergab die Initiative eine entsprechende Petition mit mehr als 53.000 Unterschriften an den Petitionsausschuss des Bundestages.

Betriebliches Gesundheitsmanagement

Im Rahmen der gesundheitsfördernden Angebote im Franz Sales Haus erfreut sich das Radfahren schon seit Jahren wachsender Beliebtheit. So beteiligten sich an der „Fahr Rad“-Aktion für Mitarbeitende 2020 wieder gut 50 Personen, die für den Weg zur Arbeit oder für Dienstfahrten das Rad nutzten. Nicht erst seit der Pandemie erleben viele Menschen das Radfahren zur Arbeit als Plus an Lebensqualität, wenn sie ganz entspannt ihr Ziel erreichen, anstatt im Stau zu stehen oder einen Parkplatz suchen zu müssen. 2021 wird das Programm „Fahr Rad“ erweitert: Alle Menschen im Franz Sales Haus mit und ohne Behinderung können mitmachen und von den Gewinnchancen der Aktion profitieren, wenn am Jahresende unter den Teilnehmenden Preise verlost werden.

Auf großes Interesse bei Mitarbeitenden und Klienten stieß wieder der Essener Firmenlauf, bei dem sich rund 150 Läuferinnen und Läufer aus dem Franz Sales Haus gern als inklusives Unternehmens-Team präsentiert hätten. Da der Lauf schließlich nur in abgespeckter Form stattfinden konnte, war unser Haus leider nicht vertreten. Doch die 2020 „verhinderten“ Aktiven sind hochmotiviert, beim nächsten Firmen-Event wieder dabei zu sein.

Neben den vorbeugenden Angeboten hilft das BGM-Team mit dem Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) Mitarbeitenden dabei, nach längerer Krankheit ins Arbeitsleben zurückzukehren. Erfreulicherweise wird dieses Angebot gut angenommen, die vertraulichen BEM-Gespräche sind durchweg konstruktiv und lösungsorientiert. Jede und jeder Betroffene wird individuell unterstützt, um eine Wiedereingliederung erfolgreich und gesundheitsgerecht zu gestalten.

Der breite und wichtige Bereich der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz, der durch die Belastungen der Pandemie an Dynamik gewonnen hat, ist ein weiterer Schwerpunkt der aktuellen Arbeit. Hier entwickelt das BGM in Kooperation mit den Experten des Instituts für Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) und im Dialog mit den verschiedenen Unternehmensbereichen Angebote und Maßnahmen, um die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden gezielt und bedarfsgerecht zu fördern.

Um das gesunde und umweltfreundliche Radfahren weiter zu fördern, baut das Unternehmen die Infrastruktur an seinen Standorten aus: Inzwischen hat auch die Heimstatt Engelbert ein E-Bike für Dienst- und Freizeitfahrten angeschafft. Auf dem Campus an der Steeler Straße gibt es jetzt an zentraler Stelle einen wetterfesten Radparkplatz mit einer E-Bike-Ladestation, wo die Akkus während der Arbeitszeit kostenlos geladen werden können.

Wirtschaftliche Entwicklung

Für das Geschäftsjahr 2019 zeigt sich in der Unternehmensgruppe erneut eine zufriedenstellende Entwicklung. Mit einer Umsatzsteigerung von insgesamt rund 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr liegt die Entwicklung damit leicht unter dem Planansatz für 2019. Das Investitionsvolumen zeigt dabei im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg von rund 4 Prozent, bezogen auf die gesamte Unternehmensgruppe. Insbesondere im Bereich des inklusiven Hotels, der in service GmbH, sowie im Bereich des Trägervereins für das Franz Sales Haus sind umfangreiche Investitionsmaßnahmen erfolgreich umgesetzt worden. Auch die Ergebnisentwicklung in 2019 entspricht unseren Erwartungen. Gerade die stabile Entwicklung in unseren Inklusionsbetrieben in service GmbH und in time gGmbH bestätigt erneut, dass Menschen mit Behinderungen konstant erfolgreich in Inklusionsbetrieben mit entsprechenden Rahmenbedingungen arbeiten können.

Die Umsetzung der Trennung der existenzsichernden Leistungen von den Fachleistungen durch das BTHG sowie des entsprechenden Landesrahmenvertrages, wird insbesondere in den beiden folgenden Geschäftsjahren weiterhin zu großen Herausforderungen in der Unternehmensgruppe führen. Diese Herausforderungen bieten uns gleichzeitig die Chance, gelebte Strukturen und Prozesse zu hinterfragen und zu optimieren. Wir erwarten, dass wir die Neuerungen erfolgreich umsetzen und weiterhin gut und angemessen mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln wirtschaften können.

 

Erlöse und Investitionen
Gesellschaft
Franz Sales Trägerverein
Franz Sales Wohnen
Heimstatt Engelbert
Franz Sales Akademie
Franz Sales Werkstätten
in time gGmbH
in service GmbH
Gesamt an mehr als 40 Standorten
Umsatzerlöse in T €
15.415
37.572
22.967
1.541
3.242
2.141
2.612
85.490
Investionen in T €
1.440
339
322
38
331
66
137
2.673

66 %

hat das Franz Sales Haus seine Investi­tionen gesteigert

Seelsorge

Die Veranstaltungen und die Unterstützung der Seelsorge sind für viele Menschen im Franz Sales Haus ein wichtiger Eckpfeiler ihres Lebens, auch und gerade in schwierigen Lebensphasen. Umso schwerer war es für viele Klienten, dass der seelsorgerische Beistand durch Corona nicht wie gewohnt ablaufen konnte. Vielmehr musste auch die Seelsorge 2020 völlig neue Wege gehen. Die telefonische Betreuung war ebenso gefragt wie Fenstergottesdienste, Online-Andachten und Hausbesuche in kleinem Rahmen.

In Zusammenarbeit mit dem Team der Freizeit und Tagesstruktur entstanden Angebote in neuen Formaten: Ein Filmteam erstellte Videos von Gottesdiensten und Andachten und war sogar dezent bei Beerdigungen dabei – die nur in kleinstem Kreis stattfinden durften – damit die Mitbewohner von Verstorbenen auf diese Art und Weise Abschied nehmen konnten. Zu Weihnachten wurde die Weihnachtsgeschichte mit Hilfe eines Videos der Krippen-Szenen aus der Franz Sales Haus Kirche lebendig. Solche Formate haben sich als alternative Angebote bewährt und können künftig auch für Menschen zum Einsatz kommen, die z.B. aus gesundheitlichen Gründen die Veranstaltungen der Seelsorge nicht besuchen können.

Erfreulicherweise konnte die Sakramentenvorbereitung (fast) wie gewohnt stattfinden. So feierten zwei Mädchen im Oktober 2020 ihre erste heilige Kommunion und im November empfingen acht junge Leute das Sakrament der Firmung. Auch das Martinsfest wurde gefeiert: Weil der traditionelle Laternenumzug über das Gelände des Franz Sales Hauses nicht möglich war, besuchten St. Martin auf dem Pferd und eine kleine Bläser-Gruppe die verschiedenen Wohnhäuser, um mit den Klienten die beliebten Martinslieder zu singen. Nach monatelangem Verzicht auf so viele Feierlichkeiten tat dieses Angebot allen Beteiligten spürbar gut.

Um das Franz Sales Haus als Einrichtung christlicher Prägung stetig weiterzuentwickeln, möchte die Seelsorge 2021 junge Mitarbeitende noch stärker in die Gestaltung der Angebote einbinden und auch die Vernetzung mit der benachbarten Gemeinde intensivieren. So kann die seelsorgerische Arbeit als lebendiger Kraftspender des Glaubens weiter wachsen und sich an den Fragen und Bedürfnissen der Menschen im Franz Sales Haus orientieren.

2020 waren nur wenige Veranstaltungen möglich. Umso größer war die Freude, dass die Erntedank-Andacht auf dem Klosterberghof und die Fahrradwallfahrt stattfinden konnten.

Mit gefilmten Gottesdiensten und Videos zu den christlichen Festtagen konnte die Seelsorge ihr Angebot aufrechterhalten.

Ehrenamt

Viele besondere Aktivitäten für Menschen mit Behinderung werden erst durch das Engagement von Ehrenamtlichen möglich. Die Freiwilligen erfüllen die besonderen Wünsche der Klienten und bereichern deren Leben zum Beispiel mit Ausflügen, Einkaufstouren, Cafébesuchen, Spaziergängen. Durch die 2020 notwendigen Kontaktbeschränkungen konnte all das für lange Zeit nicht stattfinden – dennoch wurden Ehrenamtliche und Klienten aktiv: Da wurde kurzerhand am Telefon vorgelesen, die Klienten erhielten Karten und Pakete per Post, manche kamen vorbei, um am Fenster „auf Abstand“ zu plaudern. Im Gegenzug wurden in einer Wohngruppe kleine Präsente gebastelt und zur Aufmunterung an die Freiwilligen geschickt, die auf ihre regelmäßigen Ehrenamt-Treffen verzichten mussten.

Das Interesse, sich ehrenamtlich einzubringen, ist ungebrochen. So waren ein Ausflug und ein Workshop für die Ehrenamtlichen im Sommer nahezu ausgebucht. Einige Menschen möchten sich gerade in dieser schwierigen Zeit für andere einsetzen – und bei denen, die sich 2020 aus gesundheitlichen Gründen nicht wie bisher engagieren konnten, ist die Sehnsucht groß, sich wieder mit den Menschen im Franz Sales Haus treffen zu können und eine gute Zeit miteinander zu haben.

Auch zu einigen Unternehmen besteht seit Jahren ein enger Kontakt im Bereich Ehrenamt. So starteten die engagierten Mitarbeitenden der Deutschen Bank, die den Teilnehmenden der Tagesstruktur sehr verbunden sind, vor Weihnachten eine Geschenk-Aktion. Weil kein gemeinsamer Ausflug stattfinden konnte, brachten einzelne Mitarbeitende liebevoll verpackte Geschenke in die Tagesstruktur und machten damit allen Teilnehmenden eine große und vor allem ganz persönliche Freude.

Das Ehrenamt schafft wertvolle Begegnungen. Vor Weihnachten war in der Tagesstruktur die Freude über die Geschenk-Aktion der Deutschen Bank groß.

Zahlreiche Spenden

Durch zahlreiche Spenden lokaler Unternehmen und Aktionen hat das Franz Sales Haus in diesem Jahr eine beeindruckende Hilfsbereitschaft erfahren. Zur Bewältigung der Pandemie steuerte Evonik 1.250 Liter Desinfektionsmittel bei (links), die Firma Henry Schein Dental spendete 1.000 FFP2-Masken und IKEA stellte Möbel und Ausstattung für 20 Quarantäne-Zimmer (2.v.l.) zur Verfügung. Kinder- und Jugendgruppen freuten sich über insgesamt 70 „Happy Meals“, die das McDonald’s Team Prünte aus Essen-Steele (3.v.l.) spendete. Die rheinisch-westfälische Treuhand GmbH beschenkte uns mit 100 Tüten „Pottkorn“-Popcorn. Für Abwechslung im Pandemie-Alltag sorgten kurze Auftritte von Musikern der Essener Philharmoniker (rechts) und der WDR Big Band. Im Sommer kamen sie zum Campus an der Steeler Straße und brachten großen und kleinen Bewohnern verschiedener Häuser ein Ständchen.

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