Wohnen

In der WG, einer Wohngruppe auf dem Campus oder in der eigenen Wohnung – der richtige Platz zum Leben ist der, an dem man sich wohl und zu Hause fühlt.

Lebens-Räume

Das eigene Zuhause ist ein geschützter Raum zum Wohlfühlen. Das Zimmer oder die eigene Wohnung bieten Entspannung und Sicherheit. Durch die Pandemie erhielt das Wohnumfeld eine neue Bedeutung, die es aktiv zu gestalten galt, um die individuelle Lebensqualität auch unter veränderten Alltagsbedingungen zu erhalten.

Mit Unterstützung der Franz Sales Wohnen GmbH und der Heimstatt Engelbert gestalten Menschen mit Behinderung in verschiedenen Wohnformen die Basis für ein selbstbestimmtes Leben. Dabei geht es auch in den gemeinschaftlichen („besonderen“) Wohnformen immer um die Vorstellungen des einzelnen Menschen und seine persönliche Zufriedenheit. Unsere Aufgabe ist es, jeden Menschen zu befähigen, seine Ziele zu entdecken und Entscheidungen zu treffen: als Experte für das eigene Leben. Mit verschiedenen Instrumenten und Angeboten – zum Beispiel in Leichter Sprache – unterstützen die Mitarbeitenden die Entwicklung der Klientinnen und nehmen dabei ihre eigenen Vorstellungen zurück. Denn es geht immer darum, den Weg des Klienten mitzugehen und zu begleiten, dabei gehören auch Umwege zum individuellen Lebens- und Entwicklungsprozess und stellen prägende Erfahrungen dar.

Die konsequente Fokussierung auf die individuelle Lebensgestaltung bildet die Arbeitsgrundlage der bereichsübergreifenden Projektgruppe „Gelebte Personenzentrierung“. Die im Februar 2020 gestartete Gruppe will Prozesse und Veränderungen anstoßen, um Teilhabe und Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderung weiter voranzubringen. Die Ergebnisse der Projektgruppe fokussieren unsere Unternehmensphilosophie vor dem Hintergrund der Individualität jedes Menschen mit Behinderung. So ist beispielsweise in Zusammenarbeit mit Prüferinnen für Leichte Sprache der Entwurf für „Ich-Rechte“ von Klienten entstanden, der weiter vertieft wird.

Pinte nach dem Umbau

In neuem Glanz

Der große Umbau unserer Pinte auf dem Campus an der Steeler Straße hat sich gelohnt! Der beliebte Treffpunkt hat nun endlich einen barrierefreien Zugang und eine große Sonnenterrasse. Gefördert wurde das Projekt von der Aktion Mensch (Umbau) und der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW (Ausstattung). Die große Einweihungsparty musste wegen der Pandemie verschoben werden, aber der Kiosk-Verkauf am Fenster zur Terrasse mit der Gelegenheit zu einem kleinen Plausch kam bei vielen Klienten sehr gut an.

Sicherheit geben in der Pandemie

Zur vielfältigen Lebensgestaltung gehören auch zahlreiche Aktivitäten außerhalb des unmittelbaren Wohnumfelds, die durch die Pandemie stark eingeschränkt wurden. Das Leben spielte sich plötzlich zu großen Teilen in den „eigenen vier Wänden“ ab. In diesem eng begrenzten Aktionsradius den Klientinnen Sicherheit zu geben, die Lebensfreude zu erhalten und den bestmöglichen Infektionsschutz zu gewährleisten, forderte ab März 2020 viel Energie von allen Beteiligten.

Mit großem Einsatz haben die Mitarbeitenden auf immer neue Situationen reagiert und sind gerade in der Krise noch stärker zusammengewachsen. Unterstützung für die Wohnbereiche kam dabei aus verschiedenen Unternehmensteilen: Mitarbeitende aus dem Hotel Franz und den Werkstätten halfen in den Wohngruppen aus, auch Heimarbeit für Beschäftigte war zu Hause möglich. Zudem waren die Integrationshilfen des Familienunterstützenden Dienstes (FUD) hier im Einsatz, was bei manchen den Wunsch nach einer dauerhaften Tätigkeit und einer Ausbildung in diesem Berufsfeld geweckt hat. Die Freizeitassistenzen des FUD konnten Angehörige entlasten, die ebenfalls durch Corona stark gefordert waren.

In Wohngruppen und WGs war Kreativität in der Tagesgestaltung gefragt. Für ein Stück Verlässlichkeit und Abwechslung im Alltag auf dem Campus an der Steeler Straße sorgte das Freizeit-Team mit seinen Angeboten: In der fertig umgebauten Pinte wurde ein Kiosk-Verkauf eingerichtet, vor Weihnachten konnten die Klientinnen auf dem Gelände illuminierte Holzfiguren, Fensterbilder und Geschichten entdecken. Der Hauskanal „Franz TV“ bot Übertragungen von Gottesdiensten und Fensterkonzerten sowie Reportagen.

Für Klienten des Betreuten Wohnens stand die Hilfe in der eigenen Wohnung im Fokus, da gemeinschaftliche Freizeit­aktivitäten, offene Treffs oder Bildungsangebote nicht stattfinden konnten. Zur emotionalen Stabilisierung und gegen die drohende Vereinsamung galt es, alternative Beschäftigungsmöglichkeiten für zu Hause zu finden und die Klienten zu kreativen und spielerischen Aktivitäten zu motivieren. Den Austausch mit Freunden und Bekannten über soziale Medien und Video-Chats haben viele Klientinnen in dieser Zeit als große Bereicherung empfunden. Generell hat die Pandemie dafür gesorgt, die Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien bei vielen Menschen mit Behinderung zu steigern.

Ute Engelhardt, Geschäftsführerin Franz Sales Wohnen GmbH, zur Situation im Jahr 2020.

Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes

Die nächsten Schritte der Umsetzung des BTHG kommen weiter voran. Die Trennung der Leistungen ist vollzogen, was gerade zu Jahresbeginn noch mit umfangreichen Arbeiten verbunden war. Zur Umsetzung der individuellen, partizipativen Bedarfs­ermittlung mit dem neuen Instrument BEI_NRW haben 2020 zahlreiche Schulungen stattgefunden. Durch technische Probleme beim Leistungsträger hat sich der Start des BEI_NRW verzögert und ist nun seit September im Einsatz. Nachfolgend wird das angestrebte Gesamtplanverfahren sukzessive implementiert.
Zur Abbildung von Bedarfen und Abrechnung von Leistungen wurde 2020 der Einsatz einer neuen Software vorbereitet. Zum Jahreswechsel erfolgte die Umstellung der Abrechnung auf das neue Programm, 2021 folgt die Ausgestaltung der inhaltlichen Planung, Dokumentation und Evaluation.

Trainerausbildung

Vielseitige Ausbildung

An 13 intensiven Ausbildungstagen lernten die Teilnehmenden der Diadeesk-Trainerausbildung vielfältige Methoden für den deeskalierenden Umgang mit Klienten kennen. Im Rahmen einer Basisschulung für Mitarbeitende waren die angehenden Trainerinnen außerdem auch praktisch gefordert. Sowohl bei der Qualifizierung als auch in der Anwendung des Konzepts spielt die Teamarbeit eine wichtige Rolle, denn die Basis von Diadeesk ist eine gemeinsame Grundhaltung und ganzheitliche Betrachtung der Klientinnen. Im September 2020 präsentierten die Teilnehmenden vor dem Vorstand, den Geschäftsführungen und Bereichsleitungen ihre fachlich anspruchsvollen Präsentationen und konnten im Anschluss ihre Trainer-Zertifikate entgegennehmen.

Qualifizierung & neue Aufgaben

Um Klienten mit aggressivem Verhalten besser zu verstehen und Gewalt zu verhindern, kommt im Franz Sales Haus bereits seit 2012 das Konzept der Dialogischen Deeskalation (Diadeesk) zum Einsatz. 2020 wurden acht Fachkräfte aus der Heimstatt Engelbert und der Franz Sales Wohnen GmbH zu Diadeesk-Trainern ausgebildet. Sie tragen nun dazu bei, das Konzept in den Wohnbereichen weiter zu verbreiten und nachhaltig zu verankern. Mit Hilfe von Diadeesk ist es möglich, Klientinnen mit herausforderndem Verhalten die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen und gleichzeitig Mitarbeitende vor möglichen Übergriffen zu schützen.

Als Träger eines Wohnprojekts in Sundern ist die Franz Sales Wohnen GmbH nun auch im Sauerland aktiv. Eine dort gegründete Elterninitiative nahm 2020 Kontakt auf und wählte das Franz Sales Haus als Partner für die Realisierung einer Wohngemeinschaft für Menschen mit unterschiedlichem Unterstützungsbedarf. Die individuelle Betreuung der WG-Mitglieder wird im Rahmen des persönlichen Budgets für Menschen mit Behinderung finanziert. Im Dezember 2020 sind die insgesamt elf -Bewohnerinnen und Bewohner in die neue WG eingezogen, um dort ein selbstbestimmtes Leben nach ihren Vorstellungen und mit aktiver Vernetzung in den Sozialraum zu führen.

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Bewohnerinnen und Bewohner bezogen eine neue Wohngemeinschaft im sauerländischen Sundern.

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